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Pionier in einem Entwicklungsland
21.09.2011
HaSpo BayreuthPionier in einem Entwicklungsland

HaSpo-Neuzugang Kevin Murphy ist waschechter Franke, aber Nationalspieler Irlands

Von Eberhard Spaeth

Wie kommt ein Verein, der keinem seiner Spieler etwas bezahlt, zu einem leibhaftigen Nationalspieler? Diese Frage kann Kevin Murphy beantworten, der zum aktuellen Auswahlkader Irlands gehört und gerade sein Bayernliga-Debüt bei HaSpo Bayreuth gegeben hat.

»Handball ist in Irland eine absolute Randsportart«, lautet die Antwort des 21jährigen, der im Oktober mit einem Sportökonomie-Studium in Bayreuth beginnt. »Ich bin zwar Nationalspieler, aber wenn jemand meinen Namen im irischen Fernsehen erwähnen würde, könnte niemand etwas damit anfangen.« Man müsse dort sogar ausdrücklich von »Olympic Handball« sprechen, um Missverständnissen vorzubeugen: »Bei Handball denken die Iren zunächst an Gaelic Handball – das ist eine ähnliche Sportart wie Squash, nur mit einem Handschuh anstelle des Schlägers.«

Irische Handballer im europäischen Sinne des Wortes gehen daher auch nicht als Legionäre ins Ausland – genau das Gegenteil ist der Fall: Im Ausland lebende Iren werden für die Nationalmannschaft gesucht. »Ich bin in Erlangen aufgewachsen«, berichtet Murphy, dem die ausländische Abstammung weder anzusehen, noch anzuhören ist. »Mein Opa kam in den 50er Jahren aus beruflichen Gründen nach Deutschland. Mein Vater hatte dann schon beide Staatsbürgerschaften, und dadurch war ich automatisch von Geburt an auch Ire.« Die entsprechenden Formalitäten für die zweite Staatsbürgerschaft habe er allerdings erst in Angriff genommen, als die Laufbahn als Nationalspieler zum Thema wurde.

Über den Namen entdeckt

Und auch dieser Schritt vollzog sich nicht gerade so, wie man sich das bei Profis vorstellt. Die entscheidende Aufmerksamkeit erregte Kevin Murphy nämlich nicht mit spektakulären spielerischen Leistungen. Vielmehr sei Teammanager David Bregazzi (ein in Pforzheim lebender Ire) auf ihn gestoßen, als er im Internet nach einem Gegner für seine D-Jugend gesucht hat: »Auf der Seite des HC Erlangen, bei dem ich damals in der starken A-Jugend spielte, die bis ins Viertelfinale der Deutschen Meisterschaft kam, ist ihm mein irisch klingender Name unter den Nachwuchstrainern aufgefallen.« Eine telefonische Kontaktaufnahme sei zwar dreimal gescheitert, wie Kevin Murphy schmunzelnd berichtet (»Mein Bruder hat es zwar jedes Mal ausgerichtet, aber ich habe ihm nicht geglaubt.«), aber per Mail kam schließlich im Sommer 2008 doch die erste Einladung zu einem Lehrgang in Pforzheim. Im Oktober desselben Jahres gab der damals 18jährige Franke schließlich sein Debüt als irischer Nationalspieler in einer Partie gegen Schottland. Inzwischen hat er acht offizielle Länderspiele bestritten (neben Testspielen gegen Vereinsteams).

Dieser Weg in die Nationalmannschaft ist freilich für das Handball-Entwicklungsland Irland gar nicht so ungewöhnlich. Viele Aktivitäten finden in Deutschland statt, wo neben dem Manager auch der Nationaltrainer lebt – Badens Auswahltrainer Carsten Klavehn (Mannheim). Zwar gibt es natürlich auch auf der grünen Insel noch einen Koordinator mit dem typisch irischen Namen Tom O’Brannagain, aber der ist hauptsächlich für die einheimischen Spieler zuständig. Wegen einer Schulterverletzung war Kevin Murphy seit rund einem Jahr überhaupt nicht mehr dort und davor »vielleicht drei oder vier Mal im Jahr«. Die persönliche Beziehung in sein Zweitheimatland beschränkt sich auf die in Dublin lebende Schwester seines Großvaters.

Trotz allem hat sich nach Einschätzung des Neu-Bayreuthers im irischen Handball aber viel getan in den drei Jahren seit seiner Länderspiel-Premiere: »Inzwischen gibt es professionelle Konditionstrainer und Ernährungsberater – eigentlich alles, was eine Nationalmannschaft so braucht.» Auch die Zeiten, in denen irische Handball-Idealisten ihre internationalen Einsätze von den Reisen bis zur Verpflegung selbst bezahlen mussten, sind allmählich vorbei: »Wir sind jetzt auch vom Olympischen Komitee anerkannt.«

Steigende Ansprüche

Entsprechend steigen die Ansprüche: Man müsse die Trainer auf dem laufenden halten und in der Vorbereitung Trainingspläne ausfüllen. »Auch mein Wechsel zu HaSpo in die vierte Liga war im Sinne des Verbandes«, sagt Murphy. Bisher spielte er eine Klasse tiefer beim Landesligisten TV Erlangen-Bruck.

Die Hoffnung einiger Experten, dass seine Sportart durch das olympische Turnier 2012 in London einen zusätzlichen Schub im englischen Sprachraum Europas bekommen könnte, teilt Kevin Murphy allerdings nur mit Einschränkungen. »Für die Publicity ist Olympia natürlich sehr wichtig«, sagt er, aber er zweifelt an der Philosophie der Gastgeber. »Ich habe schon gegen einige der Jungs gespielt, die da für England antreten werden. Mir scheint, da gibt es Spieler – ähnlich wie in den USA –, die vom Basketball oder Rugby kommen und denen einfach mal ein Handball in die Hand gedrückt wird – und so spielen die dann auch.« Der irische Ansatz mit der Einführung des Handballs als Sportart in Grundschulen habe schon mehr Aussicht auf Nachhaltigkeit. Allerdings ist ein Handicap für die Entwicklung nicht von der Hand zu weisen: In ganz Irland gibt es nur fünf Hallen, die groß genug sind für ein Handballfeld.


Quelle: Nordbayerischer Kurier

Weiterführender Link dazu: http://
 

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